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Verkehrsausschuss: SPD-Mann musste absagen

07.11.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Für die am kommenden Mittwoch, den 10. November vorgesehene Sitzung des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag hat der von der SPD bestellte Gutachter Heinrich Best kurzfristig abgesagt. Wie Spiegel Online berichtet, passierte das auf Druck seines Ingenieurverbandes – die Angst, dass man die Deutsche Bahn verärgern könnte, sei zu groß. Ersetzen wird ihn Christian Böttger von der HTW Berlin.

Heinrich Best ist Vorstandsmitglied des Verbandes Beratender Ingenieure. Angeblich habe man ihn vor die Wahl gestellt: Aus der Verband austreten oder seinen Auftritt im Verkehrsausschuss absagen. Beste sollte von den Schwierigkeiten berichten, die in der Zusammenarbeit zwischen freien Ingenieurbüros und der Deutschen Bahn auftreten.

Sein Ersatzmann Christian Böttger ist Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin. Als Mann im Staatsdienst hat er eine größere Unabhängigkeit. Er schreibt gelegentlich für die Zeitschrift Bahn-Report und trat bereits mehrfach als Kritiker der Deutschen Bahn in Erscheinung – auch am umstrittenen Großprojekt Stuttgart 21.

2 Responses


  1. Michael Stelter
    08.11.10 um 23:27

    Der Ingenieurverband besteht aus Menschen und diese haben dann
    wohl den Druck auf den Gutachter Heinrich Best ausgeübt.
    Das ist in hohem Maße verwerflich und sogar strafrechtlich
    von der Staatsanwaltschaft zu verfolgen.
    So werden notwendige Maßnahmen ausgebremst und Lobbyismus
    setzt sich durch.
    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Stelter
    Freiburg


  2. Matthes Weiss
    09.11.10 um 15:18

    Es ist ja hinreichend bekannt, dass einzelne (?) Ingenieurbüros schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, weil sie sich z. B. erdreistet haben, das ihnen zustehende Honorar einzuklagen,(insbesondere bei der DB oder Straßenbauämtern) Aufträge Dritter für unbequeme Machbarkeitsstudien oder Alternativplanungen anzunehmen, oder einfach nur Mitarbeiter zu beschäftigen, die sich in der Öffentlichkeit „unqualifiziert“ über Projekte des (potenziellen) Auftraggebers äußern und damit als vorgesehene Projektbearbeiter untauglich sind. (Da ist die DB leider weder besser noch schlechter als andere große Auftraggeber die regelmäßig Ingenieurleistungen einkaufen). Das ist im übrigen ein Grund dafür, warum sich (fast?) keine fachkundigen Ingenieure öffentlich in Diskussionen wie z. B. S21, Rheintalbahn etc. engagieren.

    Dass nun aber sogar der VBI als Interessenvertreter der Ingenieure – der sich auch „die freie Berufsausübung“ auf die Fahnen geschrieben hat – hier vor „fremden“ Interessen (denen der Auftraggeber – ich bin versucht, von der „Gegenseite“ zu schreiben) einknickt, das ist wirklich ein starkes Stück. Schließlich sollte es im ureigenen Interesse des VBI und seiner Mitglieder liegen, daß das vorgesehene Thema einmal öffentlich zur Sprache kommt.
    Wer nun wie darauf gekommen ist (oder gebracht wurde?), dies zu verhindern – darüber darf sich jeder seine eigenen Gedanken machen…

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