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Ramsauer präsentiert Aktionsplan Güterverkehr und Logistik

23.11.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Kommt die Bahn zu kurz?Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat gestern den Aktionsplan Güterverkehr und Logistik der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Papier wurde in enger Zusammenarbeit mit den Verkehrsverbänden ausgearbeitet. Es ist eine Weiterentwicklung das Masterplans und setzt neue verkehrspolitische Prioritäten, um die massive Steigerung insbesondere im Güterverkehr bis 2025 verarbeiten zu können.

Ramsauer: „Wir wollen mit unserem Aktionsplan den Zielen des Klima- und Umweltschutzes gerecht werden.“ „Ein Schlüssel heißt Kombinierter Verkehr. Hier können jährlich bis zu eine Million Tonnen Kohlendioxid verhindert werden! Wir wollen eine vernünftige Fördermittel-Ausstattung für den Kombinierten Verkehr.“

Kritik kommt sowohl von der Bahnlobby Allianz pro Schiene als auch vom Verkehrsclub Deutschland. Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene sagt, der Plan sei „in sich widersprüchlich“. Das politische Ziel, möglichst viel Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, fehlt im neuen Plan.

Flege: „Dort, wo es ganz konkret darum geht, Emissionen im Güterverkehr zu senken, steht nicht eine einzige Verlagerungsmaßnahme auf die umweltfreundlichen Güterbahnen in dem Aktionsplan.“ „Eine durchdachte Verlagerungspolitik sieht anders aus“. Dabei verwies er auf das Beispiel Schweiz, wo der Güterverkehr durch große Infrastrukturmaßnahmen wie den Gotthard-Basistunnel von der Straße auf die Schiene gelenkt wird.

Ähnliche dem Güterverkehr zu Gute kommenden Projekte gibt es in Deutschland nicht. So existieren z.B. Pläne, in Niedersachsen die Heidebahn und die Amerikalinie auszubauen, um den Seehafenhinterlandverkehr zu vereinfachen. Beide wurden zunächst zurückgestellt. Auch eine Verlängerung der Betuwe-Strecke auf deutscher Seite ist noch weit von konkreter Realisierung entfernt. Es steht zu befürchten, dass aus den ARA-Häfen stammende Container demnächst an der niederländischen Grenze auf die Straße und an der schweizer Grenze wieder auf die Schiene verlagert werden.

Die Schweizer drohten bereits, die Fracht der LKW zwangsweise auf der Schiene zu transportieren, wenn Deutschland seine Güterverkehrskorridore nicht angemessen ausbaut. Der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel ist seit langem überfällig, ebenso wie zusätzliche Gleise zwischen Emmerich am Rhein und Oberhausen-Osterfeld.

Beim VCD wird eine zu starke Fixierung auf Wirtschaftlichkeit kritisiert. Michael Ziesak, Bundesvorsitzender: „Die Zukunftsfähigkeit der Bereiche Güterverkehrund Logistik in Deutschland hängen nicht ausschließlich von wirtschaftlichen Faktoren ab, wie das Bundesverkehrsministerium glauben machen will, sondern auch davon, dass die bereits bestehenden und weiter wachsenden Belastungen für Mensch und Umwelt gesenkt werden.Bei der jetzigen Neuausrichtung des Masterplans Güterverkehr und Logistik wird dieser Aspekt jedoch völlig vernachlässigt.“

Statt des Ausbaus von Parkflächen für LKW an Tank- und Rastanlagen hält man es für wichtiger, die LKW-Maut auf die tatsächlich verursachten Infrastrukturkosten zu erhöhen. „Zukunftsfähigkeit sieht anders aus“, sagt VCD-Güterverkehrsreferentin Heidi Tischmann.

Bild: Deutsche Bahn AG

3 Responses

  1. Der Gefaellt mir Button wuerde sich gut auf der Seite machen, oder ist er mir entgangen?

  2. Der erscheint nicht bei allen Nutzern, ich habe selber das Problem, dass er nur teilweise erscheint. Wir sind aber schon mit der Fehlersuche beschäftigt.


  3. Jürgen E.
    23.11.10 um 18:08

    Peter Ramsauer hat völlig recht, wenn er den Schlüssel zur Bewältigung der wachsenden Güterströme im kombinierten Verkehr sieht. Nur eine intelligente Verknüpfung aller Verkehrsträger kann den Zuwachs im Güterverkehr auf Dauer bewältigen. Das hat Herr Flege offenbar nicht richtig verstanden, der wohl allein an den klassischen Bahngüterverkehr denkt, der mit Ausnahme bei Massengütern praktisch kaum noch existiert. Bei seiner Betrachtung des Gotthard-Basistunnels hat er auch außer acht gelassen, dass es gerade der kombinierte Verkehr sein wird, der von diesem Tunnel profitiert.

    Es gibt neben dem seit Jahren etablierten kombinierten Verkehr mit Containern, die sowohl auf der Bahn, dem LKW und auch dem Binnenschiff transportiert und in jede Richtung umgeschlagen werden kann, den Cargobeamer, der vor wenigen Wochen die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt erhalten hat. Dort können komplette Sattelauflieger schnell und bequem auf Spezialwaggons verladen, aber auch von einem Zug auf den anderen ohne zeitaufwändiges Rangieren umgeladen werden. Natürlich muss ein solches System mit entsprechenden Terminals erst aufgebaut und ein verlässlicher Fahrplan für solche Züge aufgestellt werden.

    Natürlich ist es richtig, dass es in Deutschland viel zu wenig Güterzugtrassen gibt. Es fehlt aber nicht am Willen, sondern einerseits am Geld und an den zu langen Planfeststellungsverfahren, andererseits oft an den Widerständen der betroffenen Anwohner. Vor allem hat man aber zu spät angefangen, solche Projekte voran zu treiben. Dies ist aber nicht dem heutigen Verkehrsminister anzulasten, sondern einer ganzen Reihe seiner Vorgänger.

    Etwas Kopfschütteln ruft bei mir allerdings der VCD hervor, der die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit des Gütertransports negieren will. Und mit Verlaub, der Ausbau der Parkflächen für LKW an den Tank- und Rastanlagen ist aus Gründen der Verkehrssicherheit dringend erforderlich. Schon seit Jahren finden die LKW-Fahrer nicht genügend Parkraum für ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen vor und parken aus Verzweiflung an Stellen, welche in höchstem Maße verkehrsgefährdend sind, z.B. unmittelbar in der Einfahrt zu einem Rastplatz. Eine Weiterfahrt wäre aber nicht nur verboten, sondern ebenso verkehrsgefährdend.

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