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Offener Brief an die OVAG und Verkehrsbetriebe zum Busverkehr im Winter

11.11.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Felix Staratschek, Mitglied der Ökologischen Demokratischen Partei (ÖDP) im Bergischen Land ist u.a. beim Fahrgastverband Pro Bahn e.V. aktiv und setzt sich seit Jahren für den Erhalt der Wiehltalbahn ein. Zum anstehenden Winter schrieb er der Oberbergischen Verkehrsgesellschaft AG (OVAG) einen offenen Brief über die Aufrechterhaltung des Fahrplans auch bei Eis und Schnee.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Der letzte Winter hat mit heftigen Schneefällen mehrfach den Busverkehr erheblich beeinträchtigt. Fahrgäste und Berufspendler waren oft ratlos, wie diese zur Arbeit oder nach Hause kommen sollten. Öfters bestanden auch Unklarheiten, ob der Bus nur Verspätung hat oder ganz ausfällt. In einer Dienstleistungsgesellschaft ist das ein unhaltbarer Zustand.

1. Die Busse fielen ja nicht aus, weil alle Straßen unpassierbar waren. Oft sind es nur Teile von Linien, z.B. die Fahrt der 339 durch das Industriegebiet in Radevormwald oder die Bergfahrt zum Bf. Remscheid Lennep der Linie 671. Für solche Situationen muss es Notregelungen geben. Besser als ein ganz ausgefallener Bus ist ein geänderter Linienweg, z.B. eine Fahrt von Hückeswagen nach Radevormwald über die B 229 statt durch das Industriegebiet. Auch die Busse der Linie 671 Lennep-Radevormwald könnten bei extremer Schneelage am Mollpatz wenden und die Haltestellen in Krebsöge auslassen und nur die B 229 nutzen. Bei Durchsagen am Bahnhof, dass die Linie 671 ab Bismarckplatz fährt, könnten Umsteiger vom Zug informiert werden. Dieser Weg ist in wenigen Minuten zurücklegbar, da der Fußweg kürzer ist, als der Fahrweg. So kann ein Notfahrplan aufrecht erhalten werden, indem man kritische Bereiche bewusst nicht bedient.

2. Es müssen mehr Informationen fließen. Newsletter per Internet und SMS müssen die Fahrgäste jederzeit aktuell informieren. Jede Linie sollte im Internet eine eigene Unterseite (mit Fahrplan) der Homepage erhalten, auf der man sich genau für diese Linie für Newsletter oder SMS eintragen kann. Passiert etwas auf dieser Linie, fällt ein Bus aus, sorgt eine Baustelle für Verspätung, kann sofort eine Nachricht an alle Kunden geschrieben werden. Sowohl Fahrgäste, als auch Arbeitgeber können diese Mitteilungen abonieren. So wissen Berufspendler immer Bescheid, wie es um den Busverkehr steht. Der Link zur Fahrplanseite sollte einfach sein, z.B. „Verkehrsunternehmen.de/linie671“.

3. Verkehrsbetriebe sollten sich mit Twitter vertraut machen und alle Neuerungen auf ihrer Homepage, Geschehnisse im Betrieb und weitere interessante Themen zum Nahverkehr auf Twitter einstellen. Kunden können dieser Twitterseite folgen und werden so immer auf dem Laufenden gehalten.

Damit der Bus wettbewerbsfähig zum Auto ist, muss die Fahrgastinformation optimal sein und müssen Verkehrsbetriebe alle möglichen Formen heutiger moderner und schneller Kommunikation nutzen. Zwar kann auch das Auto im Winter behindert werden, aber man sitzt da drinnen wenigsten im Trockenen und Geheizten und hat zudem meist ein Radio da drin. Damit Fahrgäste nicht draußen sinnlos herumstehen müssen, müssen die immer wissen, ob noch ein Bus kommt und wenn ja, mit wieviel Verspätung. Probleme lassen sich im Winter ja nicht immer vermeiden, unnötiges frieren aber schon. Aber wenn ich bereits vor der Fahrt auf Twitter oder dem Handy lesen kann, dass ich heute eine andere Haltestelle aufsuchen muss oder wenn ich Umkleiderraum lese, dass eine fahrt ausfällt oder verspätet ist, kann dass eine sehr wichtige Information sein, um das Verhalten sinnvoll anders zu planen oder mich um eine Mitfahrgelegenheit bei Kollegen zu kümmern. Auch an den Wupperorten meiden die Busse oft den Weg über die Keilbeck, wenn Schnee liegt. Fahrgäste wissen dann oft nicht, an welcher der Nahe beieinander liegenden Haltestelle diese stehen sollen. Die Linie Herkingrade- Lennep fällt wegen zwei Steilstrecken oft ganz aus. Eine Mitteilung per SMS oder Twitter oder Newsletter könnte da oft helfen, dass man weiß, wo man dran ist.

Hier wäre es noch ratsam, die Busse Wuppertal Radevormwald über die gleiche Straße Richtung Keilbeck fahren zu lassen, wie die Busse Radevormwald- Wuppertal. Dadurch bedienen dann alle Busse Wuppertal- Radevormwald die Haltestelle Dahlerau Bahnhof, was es den Fahrgästen auch erleichtert, in den Bus zu steigen. Der Wechsel der Busfahrten zwischen den Haltestellen Bahnhof und Post macht das Einsteigen hier nur unnötig kompliziert und kann zumindest Richtung Radevormwald problemlos vereinheitlicht werden. Alle Busse, die von Radevormwald nach Wuppertal fahren bedienen die Haltestelle Vogelsmühle. Bei Schnee- und Eisgefahr kann man die Fahrgäste bitten, sich sicherheitshalber zu diesen Haltestellen zu begeben, die weniger anfällig für Wintereinbrüche sind.

Die Buslinie Lennep- Herkingrade sollte bei starken Schnellfall nicht über Frielinghausen fahren, sondern über Grünental. So wird die steile Straße im Wald umfahren. Wenn die Keilbeck unpassierbar ist, könnte der Bus nach Grunewald fahren und dort wenden. Ein Midibus könnte hier bei Schnee von Vorteil sein, der auf der Straße wenden kann, falls die Zufahrt zum Schulbuswendeplatz verschneit ist.

Die Einrichtung einer Twitterseite ihres Verkehrsbetriebes kann unverzüglich begonnen werden. Betriebs- und Fahrdienstleistung müssen Zugang haben, um aktuelle Infos dort herein zu stellen. Für Wuppertal gibt es so eine Seite schon: http://twitter.com/wuppertal_bus. Lange Links lassen sich bei http://bit.ly verkürzen. Alles andere ist etwas aufwendiger, sollte aber auch umgehend angegangen werden, damit zum ersten starken Schneefall oder zur ersten Eisglätte das Infosystem steht.

Die Fahrgäste sollten gefragt werden, welche Vorschläge diese für Schneestörungen im Winterfahrplan haben. Diese kennen ihre Linien und Wohnviertel oft am besten und könnten da wertvolle Tipps geben, wie eine Versorgung mit Busfahrten aufrecht erhalten werden kann, so wie ich hier Beispiele nenne, die mir auf den von mir benutzten Linien bekannt sind.

In der Hoffnung, dass diese Anregungen die Nutzung der Busse im Winter erleichtern,

mit besten Grüßen,

Felix Staratschek

Ein Kommentar

  1. Mit diesem Offenen Brief wird der Nagel auf den Kopf getroffen. Während man bei der Bahn über RIS einen Überblick über die Verkehrslage und einzelne Züge bekommt, gibt es Vergleichbares für den regionalen und örtlichen Busverkehr nicht.
    Transparenz und Kundenservice werden hier weitehin vernachlässigt.
    So ist auch das Twitter-Angebot unter wuppertal_bus lediglich ein privates. Aber immerhin hat sich hier jemand Gedanken gemacht und es gelingt so, die (im Internet) ohnehin verfügbaren Daten zu kommunizieren.
    Wünschenswert wäre hingegen, dass in der Tat alle Verkehrsbetriebe die Ergbnisse aus ihren Betriebsleitsystemen für die Fahrgästen verfügbar machen. Damit würde nicht nur der Informationsbedarf der Kunden gedeckt, es würde sich auch eine Verringerung von telefonischen Anfragen einstellen.
    SocialMedia ist ein Begriif, der im Bereich des ÖPNV wohl noch nicht weit gekommen ist. Twitter als Verbreitungsportal für Störungsmeldungen wäre optimal. Doch auch hier ist bislang kaum ein Unternehmen in sinnvoller Weise aktiv.

    Ich hoffe, dass der Offene Brief auch an die Medien in Wuppertal und Remscheid gegangen ist. So könnte es gelingen, rechtzeitig vor dem ersten Winterchaos eine öffentlich Diskussion in Gang zu bringen. Als Ergebnis wäre eine spürbare Verbesserung der Kundeninformation wünschenswert.

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