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Bahn bremst Mitfahrzentrale für Busse aus

19.11.10 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Drei junge Studenten haben eine Mitfahrzentrale für Busse unter www.deinbus.de gegründet und wollten damit eine Marktlücke schließen. Doch nun wurden die Start-Up-Gründer von der DB verklagt. Die DB sieht bei der Busmitfahrzentrale einen Verstoß gegen das Personenbeförderungsgesetz, welches seit über 70 Jahren Gültigkeit hat und Buslinien verbietet, die parallel zu Bahnangeboten verkehren und keine Verbesserung mit sich bringen. Dadurch hat die Deutsche Bahn faktisch eine Monopolstellung, schließlich kann sie jeden Genehmigungsantrag mit der Begründung ablehnen lassen, dass dort schon Zugverkehr stattfindet und keine Verbesserung zu erwarten sei. Daher würde das neue Unternehmen gegen geltendes Recht verstoßen.

Dies sehen die Gründer allerdings anders. Sie vertreten die Ansicht, dass sie keine Fernbuslinien betreiben, sondern sich nur ein „zusammengehöriger Personenkreis“ einen Reisebus mietet und diesen eine bestimmte, vorher abgestimmte Strecke entlangfahren lässt. Sollten sich mehr als zehn Interessenten für eine Strecke finden, so kümmert sich das Team um einen entsprechenden Reisebus. Hierbei bietet es aber, laut eigener Ansicht, nur Gelegenheitsfahrten und keinen Regelverkehr an, da man keinen festen Fahrplan habe. Das zuständige Landratsamt Bodenseekreis stimmte dieser Argumentation zu und erteilte Mitte 2009 die Genehmigung für das Start-Up.

Durch die erheblichen juristischen Geschütze der DB besteht die Sorge, ob das neue Unternehmen die Klage überleben wird, weswegen Fans bisher insgesamt 3000 € gespendet haben, um den Kampf durchführen zu können. Die DB plant offenbar durch die Unterlassungsklage, potenzielle Konkurrenten vom Markt zu drängen, da auch die DB mit ihrer Tochter, der BerlinLinienBus, Fernbusfahrten anbietet und diese auch ausbauen möchte.

Am heutigen Freitag, den 19. November 2010, findet in Frankfurt die Verhandlung über die Unterlassungsklage vor dem Landgericht statt. Der Ausgang ist ungewiss, wir werden diesen aber hier entsprechend berichten.

5 Responses

  1. Die Geschichte an sich ist nicht schoen.

    Aber: Ich halte es fuer einen grob fahrlaessigen Fehler, Fernbusse zu erleichtern. Dieses Verkehrssystem gehoert weiter beschraenkt und nicht liberalisiert! Es ist oekologisch absolut schwachsinnig. Auch wenn die Autolobby immer wieder Wissenschaftler auftreibt die den Bussen bescheinigen, sie seien viel oekologischer, CO2-aermer und sicherer als die Bahn. Wer ein klein wenig Ahnung von Mechanik hat kann sich ja mal den Energiebedarf ausrechnen und einen mehr oder weniger stromlinienfoermigen langen mit Stahlraedern auf Stahlschienen fahrenden Zug mit einem ziemlich rechteckigen mit Gummiraedern auf Beton fahrenden Klotz vergleichen. Selbst wenn der Bahnstrom ausschliesslich Kohlestrom waere, kommt ein Bus da nicht ran an die Effizienz.


  2. Jürgen E.
    19.11.10 um 18:44

    @ QQ

    Du hast sicher nicht den Hintergrund der Klage der DB ekannt. Die DB AG will keine Konkurrenz zu ihren eigenen Fernbuslinien.

  3. Das habe ich sehr wohl verstanden, daher auch mein Hinweis, dass die Geschichte an sich nicht schoen ist.

    Der Rest meines Posts bezieht sich auf das Thema allgemein bzw. den „Vor“stoss der regierenden Tiegerenten.


  4. Jürgen E.
    19.11.10 um 21:01

    @@ QQ

    Deinen Einwand gegen Linienbusse im Fernverkehr im allgemeinen hatte ich auch schon richtig verstanden und will darüber auch gar nicht diskutieren. Mir kam es in erster Linie darauf an, einmal deutlich zu machen, dass die DB AG ihre Interessen nicht aus ökologischen Gründen, sondern aus reinem wirtschaftlichen Interesse mit gerichtlicher Hilfe durchzusetzen versucht.

    Dabei plant sie selbst Konkurrenzverbindungen zu ihrem eigenen Bahnangebot.

    Hierzu schreibt die Sächsische Zeitung:

    Die Strecke Köln-Hamburg soll 35 Euro kosten und damit 20 Prozent weniger als ein ICE-Ticket mit BahnCard 50. Bis zu zweimal täglich sollen Busse auf dieser Strecke fahren. Außerdem sind demnach die Linien Passau-München-Hamburg-Lübeck, Dresden-Köln-Düsseldorf, Stuttgart- Bremen-Oldenburg und Bielefeld-Hannover Flughafen-Hamburg geplant.

    Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2613079

    Wer jetzt nicht merkt, wie der Hase läuft, wird es nie verstehen.

  5. Das habe ich sehr wohl verstanden, daher auch mein Hinweis, dass die Geschichte an sich nicht schoen ist.

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