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Neue Eurostar-Züge: Siemens angeblich bevorzugter Bieter

03.10.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Wie verschiedene Quellen berichten, wurde Siemens für die Beschaffung der neuen Eurostar-Züge zum bevorzugten Bieter ausgewählt. Die bisherigen Züge für den Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien kamen vom französischen Konkurrenten Alstom und basieren auf dem TGV der SNFC. Das Investitionsvolumen beträgt mehrere hundert Millionen Euro und würde auch für die nationale Fernverkehrssituation in Deutschland von Bedeutung sein.

Schon seit Monaten stocken die Verhandlungen zwischen Siemens und der Deutschen Bahn über die Bestellung der neuen Fernverkehrszüge vom Typ ICx, der zunächst den InterCity und später den ICE 1 und den ICE 2 ablösen soll. Mit einem solchen Auftrag in der Hinterhand stünde Siemens auf einmal wesentlich besser da, da die Fernzugherstellung besser ausgelastet wäre.

Die Preisfrage ist im Moment der größte Streitpunkt, erst vor wenigen Monaten kündigte Bahnchef Grube an, die bestehenden InterCity-Züge – die einst von der Deutschen Bundesbahn beschafft wurden – für rund einhundert Millionen Euro aufarbeiten zu lassen. Ein klares Signal an Siemens: Besonders dringend braucht man den ICx nicht. Nun braucht auch Siemens den Auftrag der Bahn nicht mehr besonders dringend. Und die Frage nach der Zukunft des InterCity, gerade auch solcher Verbindungen, die keine große Rendite bringen, bleibt offen.

2 Responses


  1. Armin Gärtner
    03.10.10 um 14:04

    Was bleibt vom Intercity? In den achtziger Jahren konnte man zu jeder Stunde auf den Linien fahren. Zwar wurde das IC-System erweitert durch die Umwandlung der Interregio-Linien, aber schaut man sich Nebenlinien an wie Düsseldorf – Weimar, Emden – Luxemburg,kann man von einem durchgehenden, leicht zu merkenden kundenfreundlichen Verkehr nicht mehr reden. Die IC-Linie Düsseldorf – Erfurt fährt fast seit einem Jahr ohne Bistrowagen und wird nund auf zwei Züge reduziert. Damit erreicht man keine Nachfrage und Kundenbindung. DIese Entwicklung ist auch auf den anderen IC-Linien z. T. festzustellen. Was nützt ein schneller ICE auf den Hauptlinien, wenn man bestimmte Regionen im Fernverkehr nicht mehr erreichen kann?
    Die Renovierung der IC-Wagen ist mehr als dringlich, auf der Strecke Hamburg – Köln fehlen häufig Wagen der 1. Klasse, ist die Klimaanlage ausgefallen usw. usw. Ich kenne mittlerweile etliche Reisende, die mittlerweile von Düsseldorf nach Hamburg fliegen, weil die Verbindung qualitativ schlechter geworden ist.
    Es bleibt zu hoffen, dass weitere Wettbewerber im Fernverkehr aufkommen und verlässliche Verbindungen auch auf den Nebenlinien anbieten.


  2. Stefan Hennigfeld
    03.10.10 um 14:09

    Möglicherweise ist die Eigenwirtschaftlichkeit im InterRegio- und InterCity-Verkehr einfach ein Fehler gewesen. Sie führt so u.a. zu Subventionsmitnahmen bei öffentlich bestellten Ersatzzügen und wie wir sehen funktioniert die Ersatzbeschaffung des Rollmaterials auch nicht.

    Was nicht kommen wird, ist daß Privatbahnen eigenwirtschaftliche Ersatzleistungen anbieten. Was für die DBAG unwirtschaftlich ist, ist für andere nicht plötzlich wirtschaftlich. Die Behauptung sämtlicher Bundesregierungen seit 1998, überall da, wo keiner privat fahren wolle, sei kein Verkehrsbedürfnis vorhanden, ist lediglich ein Vorwand, um sich vor seiner gesetzlichen Pflicht zu drücken, insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, daß das im Bundesrat verabschiedete Fernverkehrssicherungsgesetz bedauerlicherweise vermutlich auf dem Postweg verloren gegangen ist.

    Sich jetzt hinzustellen und anzukündigen, daß die Privaten die Lücken füllen werden, das hat etwas vom Warten auf Godot – ernsthafte Fernverkehrspolitik ist es nicht.

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