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ICE 3 ist fit für den Eurotunnel

18.10.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

In der Nacht auf Sonntag fand im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ein Test mit mehreren hundert Freiwilligen aus Großbritannien und Deutschland statt: Ein ICE 3 fuhr hinein und musste nach einem simulierten Notfall evakuiert werden. „Die Tests mit den Halbzügen von 200 Metern Länge sind sehr gut verlaufen“ sagte eine Sprecherin des Eurotunnels dem Handelsblatt. Planmäßigen Personenzügen von Köln nach London steht nichts mehr im Wege.

„In beiden Fällen gelang die Evakuierung der Züge sehr schnell, die Übung wurde von zahlreichen Beobachtern verfolgt, unter anderem von der Regierungssicherheits-Kommission und Eurostar“ heißt es weiter. Bislang sind lediglich Hochgeschwindigkeitszüge auf Basis des französischen TGV für den Eurotunnel zugelassen, spätestens im Dezember 2013 soll es auch bei deutschen ICE 3 der Fall sein. Den notwendigen Veränderungen der Sicherheitsregelungen sind nur noch reine Formalitäten.

Heute ist Eurostar der einzige Betreiber von Zügen zwischen Frankreich und Großbritannien. Doch auch hier ist Siemens mittlerweile bevorzugter Bieter bei der anstehenden Neuanschaffung von Rollmaterial – nicht der französische Alstom-Konzern, der sich für den TGV und die vom TGV abgeleitete Züge verantwortlich zeigt.

Der ICE 3 selbst stammt noch von einem Herstellerkonsortium, an dem Siemens lediglich beteiligt ist. Nachfolgemodell ist der Siemens Velaro, von dem auch die DB Fernverkehr AG mehrere Fahrzeuge geordert hat. Mit Einsätzen in China, Russland und Spanien, in einigen Jahren womöglich auch den Vereinigten Staaten, ist er ein echter Exportschlager.

In diesem Zusammenhang ist auch Planung und Bau der Westerwaldachterbahn zu sehen, der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main, wie sie offiziell heißt. Mit einem relativ kleinen Mindest-Bogenradius von 3.250 Metern und einer relativ hohen maximalen Gleisüberhöhung von 180 Milimetern sowie Steigungen von bis zu vier Prozent erfüllt diese Strecke alle Merkmale, die man üblicherweise bei Ertüchtigungen beseitigt. ICE 3 und Westerwaldachterbahn sind füreinander gebaut worden, bis heute fahren hier keine anderen Personenzüge.

Aus deutscher Sicht lässt es sich relativ einfach erklären: Der TGV fährt bis Frankfurt am Main und als Thalys bis Köln. Doch über diese Strecke können sie nicht. Deutschland zeigt hier potentiellen Importeuren und Käufern des ICE 3 / Siemens Velaro, dass der deutsche Zug auch unter widrigen Bedingungen über 300 Kilometer pro Stunde erreichen kann, während für den französischen Zug in Köln bzw. Frankfurt Schluss ist. Dadurch verbessert die deutsche Firma Siemens ihre internationale Marktstellung im Vergleich zur französischen Firma Alstom immens.

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