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VRR schreibt Emschertalbahn aus

12.09.10 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR AöR) hat im europäischen Amtsblatt eine Ausschreibung für die Linie RB 43 (Emschertal-Bahn) veröffentlichen. In einem offenen Verfahren wird dabei ein neuer Betreibe für die Verkehrsleistungen auf der Linie zwischen Dortmund und Dorsten im Zeitraum von Ende 2011 bis Ende 2015 gesucht. Das Volumen soll 560.000 Zugkilometer pro Jahr betragen. Die Linie wird derzeit von der NordWestBahn betrieben. 

Mit der Ausschreibung ist der Fortbestand der stillegungsgefährdeten Strecke für weitere vier Jahre gesichert. Eine vier jährige Bestellung reicht allerdings zur Rechtfertigung der Modernisierung der Infrastruktur nicht aus.

6 Responses


  1. Jürgen E.
    12.09.10 um 20:47

    Mit der Ausschreibung ist der Fortbestand der stillegungsgefährdeten Strecke für weitere vier Jahre gesichert. Eine vier jährige Bestellung reicht allerdings zur Rechtfertigung der Modernisierung der Infrastruktur nicht aus.

    Es ist verdammt noch mal an der Zeit, der Bundesbahn-Nachfolgeorganisation die Hoheit über die Infrastruktur zu nehmen und in staatliche Hände zu geben. Man stelle sich einmal vor, die größte Spedition in Deutschland entscheidet, welche Autobahnen stillgelegt werden. Ups, das ist ja DB Schenker. Aber es ist ja Gott sei Dank nicht deren Infrastruktur.

    Eine Karte zum Verlauf des RB43 habe ich hier gefunden:
    http://zughalt.de/google-maps-overlays/
    (ganz nach unten scrollen)


  2. Stefan Hennigfeld
    12.09.10 um 22:53

    Auch eine unabhängige Infrastruktur AöR würde nur dann größere Investitionen finanzieren, wenn der zuständie Aufgabenträger eine langfristige Bestellgarantie abgibt. Das kann der VRR aber nicht, weil ihn sein eigener DB-Großvertrag in den letzten Jahren mehrfach so weit gebracht hat, daß er hätte Insolvenz anmelden müssen, wenn er dem Insolvenzrecht unterstünde.


  3. Niklas Luerßen
    13.09.10 um 09:13

    Das ist richtig. Bei Strecken, die immer nur für 2-4 Jahre vergeben werden und wo jedes Mal die Option der Abbestellung steht, wird kein EIU auf Langfristigkeit sanieren.

    So verlangt die DB Netz AG für eine Instandsetzung der Strecke Meinerzhagen – Lüdenscheid-Brügge für Personenverkehr (Bahnsteige, Sicherungstechnik, Beseitigung einer 30km/h-La von 14300m Länge) eine Bestellgarantie von 20 Jahren vom ZRL. Das ist die Lehre aus der vorschnellen Sanierung von Marienheide – Meinerzhagen ab dem Jahre 2004 in Erwartung einer baldigen Reaktivierung, die ja jetzt erst 2013 im Rahmen der Neuausschreibung des Kölner Dieselnetzes kommen soll.


  4. Stefan Hennigfeld
    13.09.10 um 11:20

    Ja und so sehr wir denke ich alle die Trennung von Netz und Betrieb befürworten, würden wir eine unabhängige Infrastrukturbehörde schärfstens kritisieren, wenn sie jetzt viel Geld in eine Strecke investieren würde, die dann wenige Jahre später stillgelegt würde.


  5. i.heidinger
    19.09.10 um 02:00

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob den Autoren das Treffen der Anlieger-Kommunen der Emschertalbahn am 13.7.2010 bekannt ist. Und was dort vorgestellt und besprochen wurde. Die Ausschreibung über einen Zeitraum von vier Jahren ist das mindeste, was ein EVU als Planungshorizont braucht, so jedenfalls der Vertreter der Nordwestbahn auf diesem Treffen. Eine Verlängerung von Jahr zu Jahr – wie aktuell – möchte man nicht mehr mitmachen.

    Diese Forderung machten sich die Kommunalpolitker zu eigen und das mündete in eine Presseerklärung, die in der Lokalzeit.Ruhr aufgegriffen wurde. Prompt gab der VRR, der auf das Treffen keinen hochrangigen entscheidungsbefugten Vertreter entsandt hatte, vor der Kamera seine Hinhalte-Taktik auf und sagte eben diese Ausschreibung zu.

    Weiterhin wurde auf diesem Treffen das Zwischenergebnis einer Fahrgastzählung und -befragung des RVR (sic!) vorgestellt. Der RVR hat am 22. und 29. Juni mal eben eine um 30 % höhere Fahrgastzahl festgestellt als der VRR (beide Kürzel sind wirklich richtig gebraucht), nämlich ca. 3500. Da auf dem Ostast (Wanne-Eickel — Dortmund) ein 30min-Takt technisch möglich ist, wurde auch eine Potentialabschöpfungsrechnung gemacht. Ergebnis: Die Fahrgastzahlen würden sich dabei mindestens verdoppeln, was für eine Bahnlinie, die mit ihrem Stundentakt in einem Ballungsraum nicht wirklich wahrgenommen wird, ein sehr gutes Ergebnis darstellt. Bestätigt wurde auch die Vermutung, daß auf dem Ostast von den Ein- / Ausstiegsprofilen der einzelnen Stationen her ein S-Bahn-Charakter vorherrscht. Wohlwollend aufgenommen wurde die Idee, es mit entsprechender Marketingbegleitung mal einen Monat mit dem 30min-Takt
    zu probieren.

    Auf dem Nordwestast überraschte, daß es nicht die typischen Hauptlastrichtungen gab (morgens rein ins Ballungszentrum, nachmittags wieder raus). Da dort trotz des fast schnurgeraden Verlaufs größtenteils nur 50 gefahren werden kann, läßt wegen der langen Eingleisigkeit z.Zt. kein 30 min-Takt realisieren.

    Die Studie des RVR soll irgendwann im Herbst (ein genauer Termin ist mir nicht bekannt) veröffentlicht werden. Die Auswertung der Fahrgastfragebögen war im Juli noch nicht abgeschlossen.

    Daß sich im Ruhrgebiet auf einmal der eine Zweckverband gegen den Anderen positioniert, bleibt als eine amüsante Randnotiz. Mal sehen, was dabei noch rauskommt. 8-)

    Das ein oder andere Detail würde mir als Anwesenden auf dieser Veranstaltung sicher noch einfallen. Ich laß es jetzt erstmal dabei.

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