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Stuttgart 21 – Ausnahmegenehmigung macht Bahnverkehr unzuverlässiger

07.09.10 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Mit der Fertigstellung von Stuttgart 21 muss die bisherige Strecke zur Anbindung der Gäubahn mit dem Stuttgarter Hbf weichen. Die Fern- und Regionalzüge aus Richtung Singen und Freudenstadt sollen dann bei Rohr über eine neue Verbindungskurve von der Gäubahn auf die S-Bahntrasse zum Flughafen geleitet werden und von dort weiter zum Hauptbahnhof verkehren.

Da der Tunnel dieser Strecke bisher nur von S-Bahnen genutzt wurde, war ein Betrieb mit einem verringerten Gleisabstand und eingeschränkten Regellichtraumprofil möglich. Damit auch andere Züge als die S-Bahnen durch den Tunnel fahren können, war eine Ausnahmegenehmigung von nöten.

Diese Ausnahmegenehmigung sieht vor, dass Güterzüge nicht durch den Tunnel verkehren dürfen, dass bedeutet, auf der Gäubahn können zukünftig keine Güterzüge mehr Richtung Norden abgeführt werden. Diese Strecke wird im internationalen Güterverkehr als Ausweichroute für die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel angesehen, für die in den nächsten Jahren enorme Zuwächse im Schienengüterverkehr, die die bisherige Infrastruktur nicht bewältigen kann, vorhergesagt werden. Die Gäubahn hat zwar nur geringe Kapazitäten, aufgrund der Eingleisigkeit aber sie könnte die Rheintalbahn um einige Güterzüge entlasten, wenn es ihnen denn möglich wäre in Stuttgart auf die Gäubahn zu gelangen.

Auf den Personenverkehr kommen hingegen ganz andere Probleme zu, so müssen bei einem unvorhergesehenen Halt beide Gleise im Tunnel zwischen dem Abzweig Rohr und dem Flughafen gesperrt und alle anderen Züge per Notruf angehalten werden. Das heißt wenn ein Zug in der Röhre liegen bleibt bricht sofort der Verkehr auf diesem Streckenabschnitt zusammen, was wegen der schlecht dimensionierten Infrastruktur Auswirkungen bis zum Hauptbahnhof haben kann. Die Ausnahmegenehmigung schreibt ebenfalls eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde und eine Abschaltung der Neigetechnik bei entsprechenden Zügen vor.

3 Responses


  1. Schlamassel
    07.09.10 um 23:31

    Endlich wird die Thematik des S-Bahnverkehrs bei Störungen in
    der über 9 km langen Tunnelröhre angesprochen. Wenn es die seitherige Ausweichstrecke der Gäubahnlinie zwischen Stuttgart-Hbf und Stgt.-Vaihingen durch S 21 nicht mehr geben wird, können drei der wesentlichsten S-Bahnlinien nicht mehr umgeleitet werden. Das Chaos ist perfekt. Fahrgäste aus dem dicht bevölkersten Umland Stuttgarts können die Innenstadt Stuttgart und weit darüber hinaus nicht mehr erreichen.

    Die erteilte Ausnahmegenehmigung für die Engpässe im Filderraum zeigt, wie einfach es ist, bestehende Sicherheitsvorschriften auszuhebeln. All dies nur um S 21
    wider jede Vernunft durchzudrücken.

    Da gibt es Leute, die behaupten, S 21 sei das am besten durchgeplante Bauvorhaben der Bahn AG.


  2. Frank van de Bongardt
    08.09.10 um 10:14

    Die Güterzüge können doch einfach über Sindelfingen fahren, wie bislang auch schon. Dann kann die Gäubahn prima benutzt werden von Güterzügen.

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