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Ennepe-Ruhr Kreis: Weitere ÖPNV-Streichungen geplant

14.09.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Linie 310 in WittenWie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, plant der Ennepe-Ruhr Kreis weitere Streichungen im ÖPNV. Schon ab Dezember sollen 158.000 Bus- bzw. Tramkilometer im Jahr eingespart werden, über weitere 500.000 Kilometer im Jahr soll anschließend noch einmal diskutiert werden. Für Witten, die größte Stadt im Kreis, würde das weitere massive Verschlechterungen bedeuten. 

So soll die Linie 310, möglicherweise nur an Samstagen, zwischen Witten-Heven Dorf und Bochum / Opelwerk 1 nur noch alle halbe Stunde fahren. Das hieße nicht nur für Witten selbst, sondern auch für den Bochumer Stadtteil Kaltehardt eine extreme Verschlechterung. Auch die Fahrten der „Linie“ 320 zur Ruhr-Universität (mit Anschluss an die dortige U35) sollen samstags entfallen.

Damit würde sich jahrzehntelange Wittener Nahverkehrspolitik fortsetzen: Die Stadt Witten hat insbesondere unter ihrem langjährigen Bürgermeister Klaus Lohmann (SPD) versucht, die Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die umliegenden richtigen Städte zu verschlechtern. Damit wollte man verhindern, dass die Leute zum Einkaufen dorthin fahren. Gerade der Samstag, einer der wichtigsten Shopping-Tage, würde somit einige tragende Verbindungen nach Bochum verlieren.

Diese Politik, mit der Klaus Lohmann bereits erbärmlich versagt hat und die die Verödung der Wittener Innenstadt nicht verhindern konnte, wird nun unter seiner Nachfolgerin Sonja Leidemann (SPD) nahtlos fortgesetzt. Ausreden, man habe auf die Nahverkehrspolitik des Kreises keinen Einfluss, zählen indes nur kaum: Es war der Rat der Stadt Witten, der durch seine Resolution in den Kreisausschüssen durchsetzen konnte, dass die Straßenbahnlinie 310 zwischen Witten-Bahnhofstraße und Heven saniert wird.

Unter der Bezeichnung 320 und 320E fahren heute zahlreiche Busse auf ganz unterschiedlichen Relationen. Mit einer Linie in ihrer eigentlichen Definition (eine Linie, eine Nummer, eine Strecke) hat das nichts mehr zu tun. Die Leistungen der Linie 320E, die an Schultagen zwischen Annen und der Innenstadt einen 7/8-Minutentakt realisiert und über die Husemannstraße direkt den Hauptbahnhof anfährt, sollen bis auf vier Fahrten am Tag wegfallen. Damit würde sich vor allem im Nachmittagsbereich aus Annen heraus der Anschluss an die Linien RE 4, RE 16 und RB 40 stark verschlechtern.

Die Linie 375, die im Juni 2009 Teilleistungen der Linie 373 und vollständig die weggefallene Linie 339 übernommen hat, soll zwischen Wartenberg und Borbach ganz gestrichen werden. Die Linie ist die wohl unzuverlässigste in Witten auf der Verspätungen, auch Übertaktverspätungen, die Regel sind. Über Monate war sie aufgrund ihrer hohen Unzuverlässigkeit gar nicht benutzbar.

Andere Maßnahmen, Geld zu sparen, wurden nicht diskutiert. Z.B. die Umstellung bestimmter Busse auf Rufbetrieb, etwa zur Tagesrandlage oder an Sonn- und Feiertagen. Solche Vorschläge kamen zwar von den Grünen, wurden aber abgeschmettert.

Bild: Gemeinfrei. Urheber: Stefan Hennigfeld

3 Responses

  1. Das ist zwar schade, aber es geht nicht anders. ÖPNV unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat keinen Zweck. Deshalb müssen solche Maßnahmen gemacht werden. Aber ich kenne jemanden bei Verdi im Kreis Ennepe-Ruhr. Zum Glück werden die Linien 373 und 375 von Subunternehmen gefahren, also müssen die Kollegen der Bogestra keine Angst um ihre Jobs haben.


  2. Stefan Hennigfeld
    14.09.10 um 22:10

    Find ich auch! Wer interessiert sich schon für die Mitarbeiter bei den Subunternehmen der Bogestra? Du, unser Arbeitnehmer-Fahne-Hochhalter Nummer 1, jedenfalls ebenso wenig wie die Gewerkschaften. Bei den Verdi-Funktionären wundert mich das nicht, bei Dir aber wohl. Daß Dir die Busfahrer bei den Subunternehmen egal sind enttäuscht mich.


  3. Katharina
    08.11.10 um 15:41

    Ich muss mich den anderen Anschließen, so ärgerlich solche Entscheidungen sind und so sehr sie auch die Situation verschlechtern, nützt es ja auch nichts Geld auszugeben und das selbe Geld gar nciht zu haben. Alle Streichungen tun weh, aber manche muss man einfach durchführen und ertragen.

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