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Bundesnetzagentur erwirkt Öffnung der DB-Werkstätten

03.09.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Gleiches Recht für alle - auch in Werkstätten der DB RegioDie Bundesnetzagentur hat mit Wirkung zum 1. Oktober die Einführung diskriminierungsfreier Zugangsregelungen für Werkstattleistungen bei der DB Regio AG erwirkt. Alle externen EVU haben fortan das Recht, ihre Züge und Reisezugwagen dort zu gleichen Bedingungen warten zu lassen. Das soll den Netzzugang noch einmal erleichtern und dem Wettbewerb, insbesondere im Nahverkehr, Auftrieb geben.

Dazu Matthis Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur: „Werkstattleistungen sind neben der Nutzung von Trassen und Stationen ein entscheidender Faktor für das Erbringen von Schienenverkehrsleistungen.“ „Bislang war ein fairer Zugang zur Fahrzeuginstandhaltung nicht sichergestellt. Dies ist insbesondere auf eine mangelnde Transparenz in den Nutzungsbedingungen sowie bei den Entgelthöhen zurückzuführen.“

Die DB Regio AG betreibt an 51 Standorten in ganz Deutschland Instandhaltungseinrichtungen. Bislang wurden die Preise mit externen EVU individuell ausgehandelt. Das wird sich nun ändern: Jeder zahlt in Zukunft dasselbe. Es ist eine Preisliste vorgesehen, aus der sich für jede Werkstatt ein verbindlicher Fertigungsstundensatz ergibt, so dass die Kosten transparent und kalkulierbar werden.

Matthias Kurth: „Eisenbahnverkehrsunternehmen haben nun tatsächlich die freie Wahl, ob sie neue Werkstätten bauen, bestehende Werkstätten übernehmen oder deren Instandhaltungsleistungsangebot mitnutzen. Auf diese Weise wird die Duplizierung der Infrastruktureinrichtung dort, wo sie entweder volkswirtschaftlich unsinnig oder schlicht kostentreibend wäre, vermieden.“

„Zudem werden gleiche Ausgangsbedingungen im Wettbewerb beim Erbringen von Leistungen im Schienenpersonenverkehr sichergestellt, vor allem dann, wenn z. B. aus einem Mangel an städtischen Bauflächen die Errichtung einer eigenen Werkstatt nicht möglich ist und Wettbewerber auf die Mitnutzung bestehender Werkstätten des DB Konzerns angewiesen sind.“

Bild: Deutsche Bahn AG

9 Responses


  1. Jürgen E.
    03.09.10 um 14:29

    Das wurde aber auch Zeit. So manches EVU hat auf eine Bewerbung verzichtet, weil es an den Werkstattkapazitäten gescheitert wäre.

  2. Das sehe ich anders, schließlich kann so eine Privatbahn billiger planen. Die DB muss die Mitarbeiter ja auch bezahlen, wenn die nichts zu machen haben. Wenn jetzt die Privaten dort Werkstattleistungen einkaufen, zahlen die ja nur für die tatsächliche Arbeitszeit.

    Also verzerrt das den Wettbewerb wieder. Schließlich muss ja eine Audihändler nicht die Garantieleistungen für einen BMW erbringen, da BMW sich dadurch die Werkstätten sparen kann…

  3. Mit Wettbewerb oder Marktwirtschaft hat das gar nicht zu tun. Planwirtschaft im negativsten Sinn währe die richtige Bezeichnung.

  4. @ich
    Sie haben unrecht, da die Werkstatt für eigene Reperaturen genauso teuer wie für fremde Reperaturen ist. Die Kosten müssen für beide Seiten so kalkuliert werden, dass auch die Zeit ohne Beschäftigung überbrückt wird.

    Was finden sie an ihrem Beispiel so schlimm? So lange BMW die Leistungen honoriert ist dieses Vorgehen nicht verwerflich.

    @Martin
    Eine Planwirtschaft ist immer noch besser als eine Quasi-Monopolwirtschaft.

  5. @ Sven Steinke
    Wieso Monopol? Jeder kann ohne das geringste Hinderniss eine Zugwerkstatt gründen und betreiben. Nichts ist so dereguliert wie die Eisenbahn: Versuchen sie mal eine BMW Werkstatt ohne Einwiliigung von BMW zu gründen. Oder versuchen sie mal ein Unterhaltsbetrieb für Flugzeuge zu gründen.

    Wird die Lufthansa auch gezwungen Flugzeuge der Air France zu warten?

  6. Wieso Monopol?

    Weil ein Unternehmen die Werkstattinfrastruktur vom Steuerzahler finanziert bekommen hat und mit der Privatisierung geschenkt bekommen hat.

    Jeder kann ohne das geringste Hinderniss eine Zugwerkstatt gründen und betreiben.

    Doch es gibt ein entscheidenes Hindernis, welches sich schon bei mehreren Ausschreibungen herrauskristallisiert hat und das ist der Standort. Es ist entscheidend, ob bei einer S-Bahn die Werkstatt mitten in der Stadt liegt, wo sich alle Linien treffen, oder am Außenast einer S-Bahn Linie.

    Nichts ist so dereguliert wie die Eisenbahn: Versuchen sie mal eine BMW Werkstatt ohne Einwiliigung von BMW zu gründen. Oder versuchen sie mal ein Unterhaltsbetrieb für Flugzeuge zu gründen.

    Kennen sie Werkstätten wie ATU?

    Wird die Lufthansa auch gezwungen Flugzeuge der Air France zu warten?

    Die Luftfahrt funktioniert komplett anders als der schienengebundene Nahverkehr. Da der SPNV nicht kostendeckend arbeitet ist für die Bereitstellung eines attraktiven und effizenten Nahverkehrs ein Bestellerprinzip notwendig, welches über Ausschreibungen versucht ein möglichst gutes Preis/Leistungsverhältnis unter den verschiedenen Anbietern zu erzielen. Deshalb kann ein Nahverkehrsauftrag von einen auf den anderen Tag verloren gehen, dass heißt auch das die Werkstatt eines Anbieters von Heute auf Morgen Arbeit verliert und somit nicht ausgelastet ist, was vorallem die Mitarbeiter als erstes zu spüren bekommen werden. Hingegen muss ein anderer Anbieter eine neue Werkstatt eröffnen, was die Wartungskosten unnötig erhöht, so eine Werkstatt muss sich auf Dauer auch rechnen. Von daher ist der Schritt zu begrüßen, weil die Mitarbeiter in der Instandhaltung eine erhöhte Arbeitsplatzsicherung genießen und die Kosten für die Nahverkehrsleistungen sinken, wodurch mehr Leistungen bestellt werden können.

  7. @Sven Steinke
    Die Eisenbahn könnte genau so funktionieren wie die Luftfahrt. Auch die Luftfahrt ist subventioniert und auch hier könnte man durch Ausschreibungen versuchen die Subventionen herunterzuschrauben. So aber würde der gesunde und sinvolle Teil des Marktes ausgeschaltet.

    Zur Zeit versucht man bei der Bahn einen Fehler durch einen anderen zu korigieren. Im übrigen trifft der Arbeitsplatzverlust nicht nur Handwerker sondern auch Lokführer und hier wird sogar vom Arbeitsamt staatlicher Lohnabbau, in Form von subventionierter Lokführerausbildung, gefördert. Das die Politiker sich für den AN sorgen kann also offensichtlich nicht der Grund sein.

    Viel mehr will man mit solchen Aktionen Managementgeselschaften von Grosskonzernen fördern. Das diese sicher nicht das beste Preis/ Leistungsverhältnis für den Kunden (Passagier) bringen ist sonnenklar.

    Lufthansa hatte wie alle staatlichen Airlines quasi ein staatliches Monopol, wie so kann man bei der Eisenbahn nicht den selben erfolgreichen Weg gehen? Das Bestellerprinzip funktioniert nicht, weil der Besteller nicht der Kunde ist und der Besteller auch noch den Wettbewerb ausschalten kann.

    Übrigens: Bringen sie ihren neuen BMW besser nicht zu ATU. Nur schon wegen dem Software Update.

    Seien wir ehrlich, die Bahn ist nicht günstiger geworden und schon gar nicht besser. Die Kosten wurden nur anders verteilt, heute bekommt der Arbeitnehmer, wegen den tiefen Löhnen, die Subventionen in Form von Lohnzuschüssen und tieferen Steuern direkt.

    Der Standort ist nicht wichtig, wie die Situation des Lufthansacatering am Flughafen Zürich zeigt. LSG bekamm auf dem riesigen Gelände des Airport keinen Bauplatz und musste weit weg vom Flughafen ihr Catering Bauen. Darum muss LSG mit den Highloadern die notabene eine Strassenzulassung haben 20-40 Min durch den Stau und Zoll fahren. Pech gehabt, wer zu spät kommt…..

  8. Die Eisenbahn könnte genau so funktionieren wie die Luftfahrt.

    Nein, könnte sie nicht, weil die Bahn ein flächendeckender Verkehrsträger ist, bei dem die Verknüpfung der Linien untereinander und mit anderen Bedienungsformen des ÖPNV ganz wichtig ist. Den Fernverkehr könnte man zwar isoliert im freien Wettbewerb betreiben, wie es zur Zeit auch ist, nur unter falschen Rahmenbedingungen, weshalb kaum Wettbewerb möglich ist. Oder glauben sie wirklich, dass im freien Wettbewerb auf einmal 5 Unternehmen auf einer stillegungsgefährdeten Nebenbahn im Stundentakt verkehren.

    Auch die Luftfahrt ist subventioniert und auch hier könnte man durch Ausschreibungen versuchen die Subventionen herunterzuschrauben. So aber würde der gesunde und sinvolle Teil des Marktes ausgeschaltet.

    Der Luftfahrtmarkt ist gänzlich anders, kaum einer fliegt täglich zur Arbeit, sondern man legt sich auf einen bestimmten Flug fest und braucht keinen Takt. Wer in den Urlaub fliegt dem reicht auch ein Flug am Tag. Im Nahverkehr ist das ganz anders hier muss die Bahn im dichten Takt mit guten Anschlüssen an andere Linien verkehren und gleichzeitig mit diesen tariflich kompatibel sein. Außerdem existiert hier ein ernstzunehmender Konkurrent (Auto), der der Bahn auf den meisten Relationen hoffnungslos überlegen ist.

    Lufthansa hatte wie alle staatlichen Airlines quasi ein staatliches Monopol, wie so kann man bei der Eisenbahn nicht den selben erfolgreichen Weg gehen?

    Weil aus den oben genannten Gründen beide Märkte nicht vergleichbar sind.

    Das Bestellerprinzip funktioniert nicht, weil der Besteller nicht der Kunde ist und der Besteller auch noch den Wettbewerb ausschalten kann.

    Es gibt genug Aufgabenträger in Deutschland die ihre Arbeit wirklich sehr gut machen, wenn ich einmal überlege wie der Bahnverkehr bei uns in Westfalen vor 10 Jahren und heute aussieht, ist das ein himmelweiter Unterschied. Zum Thema der Wettbewerb funktioniert nicht: Die Deutsche Bahn hat mittlerweile nur noch einen Marktanteil von 44,3% obwohl erst 73% der Verkehrsleistungen im Wettbewerb vergeben wurden. Die Fahrgastzahlen sind übrigens um etwa 75% gestiegen.

    Seien wir ehrlich, die Bahn ist nicht günstiger geworden und schon gar nicht besser.

    Der Verkehrsträger Bahn ist sehr wohl besser geworden, zumindest im bestellten Nahverkehr.

    Der Standort ist nicht wichtig, wie die Situation des Lufthansacatering am Flughafen Zürich zeigt. LSG bekamm auf dem riesigen Gelände des Airport keinen Bauplatz und musste weit weg vom Flughafen ihr Catering Bauen. Darum muss LSG mit den Highloadern die notabene eine Strassenzulassung haben 20-40 Min durch den Stau und Zoll fahren. Pech gehabt, wer zu spät kommt…..

    Ein Cateringangebot ist was ganz anderes, als eine Werkstatt wo sich jedes Fahrzeug in einem gewissen Interval einmal sehen lassen muss und die Fahrzeuge auch schonmal schnell für unvorhersehbare Reperaturen hinkommen müssen.

  9. Der Standort spielt keine Rolle, dass ist nur eine Ausrede. Die SBB bringt ihre Züge der S-Bahn Zürich nach Yverdon zum Unterhalt, ca 150 Km vom Einsatzgebiet entfernt. Während dessen die Hauptwerkstätten in Zürich halb leer stehen.

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