Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Kommentar: Kommt die Berliner S-Bahn nochmal auf einen grünen Zweig?

10.07.10 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Ein Bild aus besseren Zeiten: S-Bahn Berlin am 13. November 2005Die Berliner S-Bahn überrascht den Fahrgast immer wieder mit neuen Horrormeldungen. Angefangen hatte alles vor über einem Jahr, als das Eisenbahnbundesamt (EBA) Fahrzeuge aus dem Verkehr zog, die zu selten gewartet worden waren oder widerrechtlich ausgetauschte Radsatzwellen aufwiesen.

Plötzlich stand das Rad in Berlin still und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) versuchten, die Massen an Fahrgästen noch irgendwie zu transportieren. Im Laufe der Zeit kamen Notfahrpläne und häufigere Wartungen an den Fahrzeugen – und die Beteuerung dass alles schnell wieder gut würde.

Doch schon bald wurde klar, dass der Berliner nicht davon ausgehen darf, dass er wieder mit „seiner“ S-Bahn reisen kann. Vereinzelte Linien fuhren mal und dann wieder nicht, es wurden Züge wieder in Betrieb genommen, die kurz drauf wieder stillstehen mussten – und der Bürger litt. Für die Bundeshauptstadt ist die S-Bahn nunmal das Verkehrsmittel zum Verknüpfen dieser Mammutstadt!

Auch der Austausch der Spitze des Betreibers, der S-Bahn Berlin GmbH, brachte keine große Änderung, sorgte aber immerhin dafür, dass die Kunden etwas gnädiger waren. Die kleinen Bonbons, die die neue Spitze ausgeben ließen, waren wie der Tropfen auf dem heißen Stein. Die Stadt tobte und war sauer, sodass der Senat Zahlungen kürzte und nun eine Nachbesserung des Verkehrsvertrages mit den Beteiligten aushandelte.

Doch schon wenige Wochen nach dem Beschluss dieser Vereinbarung schafft es der Betreiber wieder nicht, sich an die Zusage zu halten – und erneut kommt schlechte Stimmung in der Stadt auf. Wer sich nun an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert, der liegt sicher nicht falsch – und dürfte wie viele andere denken.

Wie geht das weiter? Wird die S-Bahn Berlin GmbH es in absehbarer Zeit schaffen, wieder genügend Züge in Umlauf zu bringen, sodass der Berliner wieder zufrieden ist? Wird dem Senat der Kragen platzen und der Verkehrsvertrag komplett gekündigt und ausgeschrieben? Wird vielleicht bald garnichts mehr in Berlin rollen? Gibt es bald den großen „S-Bahn-Aufstand“? Fragen über Fragen, die keiner beantworten kann, die aber gerade viele beschäftigen…

Bild: Johannes Fielitz. Lizenz: CC-by-SA 3.0

5 Responses

  1. Pingback: kommentar » Twitter Trends

  2. Was wollen die Politiker eigentlich? Die Politik hat gewollt dass die Bahn profitabel wird. Also wurden Arbeitsplätze abgebaut und alles billiger. Da kommt die Quittung! Deshalb: Zurück zur Staatsbahn! Die Deutsche Bahn AG muss in die Rückumwandlung zur Deutschen Bundesbahn gehen! Und die einst eingeparten Leute müssen wieder her! Nur eine Deutsche Bundesbahn mit mindestens 500.000 Mitarbeitern (alle Beamte ohne Angst) kann noch Abhilfe schaffen!

    Aber das interessiert ja keinen Fahrgast! Die Aufgabenträger verarschen uns vorne und hinten und wir sind die Angeschmierten! Immer gewesen! Aber mit uns kann mans ja machen!

    Auch die Gehälter sind viel zu niedring! Die Lokführer fangen mit 17 Euro plus Zulage an, was soll das denn? Jeder Lokführer muss mit mindestens 40 Euro plus Zulagen anfangen, Leistung muss sich nämlich wieder lohnen, nicht wahr, Ihr Guido-Wähler?

  3. Pingback: bahn » Twitter Trends


  4. Jürgen E.
    10.07.10 um 22:03

    @ Gerd

    Die Politik will, dass der öffentliche Personennahverkehr für die Bürger bezahlbar bleibt. Da sich dieser nicht aus den Fahrgeldeinnahmen finanzieren kann, müssen staatliche Mittel zugeschossen werden.

    Die Politik ist aber auch verpflichtet, die Ausgaben im Sinne der Bürger so gering wie möglich zu halten. Sonst gibt es von nicht nur von der Opposition, sondern auch von den Haushaltsprüfern und dem Bund der Steuerzahler was auf die Kappe.

    Und da passen Ihre nicht mehr zeitgemäßen Forderungen nach einer Staatsbahn einfach nicht rein. Auf die Kommentierung von Einzelforderungen verzichte ich.


  5. Stefan Hennigfeld
    10.07.10 um 22:36

    Sagen wir es mal so: Bei allem Verständnis für die Belange der betroffenen Arbeitnehmer, aber von allererster Wichtigkeit ist die Stellung der Eisenbahn im Wettbewerb der Verkehrsträger: Dem muß sich alles unterordnen.

    Und dazu gehört auch, daß die Eisenbahn in einer Kombination aus maximaler Leistung und maximaler Wirtschaftlichkeit betrieben wird. Nur so ist effizienter Mitteleinsatz gewährleistet. Für die S-Bahn Berlin bedeutet das, daß der VBB ernsthaft eine Vertragskündigung und Neuausschreibung in den Raum stellen muß. Z.B. indem er Werkstatträume und Fahrzeuge zur Verfügung stellt (wegen der Besonderheit der S-Bahn Berlin).

    Daß die DB die S-Bahn betreibt ist kein Naturgesetz. Auch bei der Infrastruktur muß über eine Herauslösung der Netze im allgemeinen und bei der Infrastruktur der S-Bahn im besonderen ernsthaft nachgedacht werden. Aber die EU ist da ja hinterher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.