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Tübingen: Diskussion um InterCity hält an

04.06.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

"Jede Stunde, jede Klasse" - lang, lang ists herSeit Dezember 2009 wird Tübingen einmal am Tag vom InterCity Loreley angefahren. Der Zug wurde aus Stuttgart in die Universitätsstadt verlängert und seitdem stiegen die Stationspreise enorm. Der Tübinger Hauptbahnhof ist jetzt kein Nahverkehrsknoten mehr, sondern eine Fernverkehrsstation. Jeder Zughalt kostet seitdem 6,43 Euro. Im letzten Jahr waren es 1,48 Euro. Der Preis hat sich mehr als vervierfacht.

Und den zahlt nicht nur der InterCity, sondern jeder Zug. Das betrifft vor allem öffentlich bestellte Nahverkehrszüge, die vom Land Baden-Württemberg finanziert werden. Aufs Jahr gesehen sind es etwa 400.000 Euro, die die Bahn zusätzlich vom Land kassiert. Bereits in der letzten Woche kritsierte Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland dieses Vorgehen aufs schärfste. Er kam zu dem Schluß, daß die DBAG augenscheinlich „kein seriöser Vertragspartner“ sei.

Die Verlängerung des InterCity einmal am Tag hat sich für die Bahn daher gelohnt. Ganz gleich, ob jemand mitfährt oder nicht, es kommt Geld in die Kasse. Geld, das sie als Monopolunternehmen und Betreiber des Schienennetzes ihrem Hauptkunden, den öffentlichen Aufgabenträgern für den SPNV, abnehmen kann.

Der Regionalverkehr auf der Neckar-Alb-Bahn wird stärker belastetDer Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) fordert Bahnchef Rüdiger Grube einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zufolge auf, auf die „Inanspruchnahme der zusätzlichen Zahlungen des Landes zu verzichten.“ Andernfalls fordert der Bürgermeister, solle die Bahn den InterCity wieder einstellen.

Gleichzeitig soll aber der Tübinger Hauptbahnhof barrierefrei werden. Dadurch wird sich die Ausstattung stark verbessern. Nun ist es allerdings üblich, daß der Eigenanteil der DB bei der Schaffung neuer Vermögenswerte relativ gering ist – falls sie sich selbst überhaupt beteiligt. Zuerst also zahlt die öffentliche Hand für den verbesserten Bahnhof, dann zahlt sie noch einmal, daß die Züge ihn nutzen.

Für Matthias Lieb vom VCD gibt es deshalb nur eine Lösung: „Es muß schleunigst die von den Koalitionsparteien in Berlin eigentlich vereinbarte Trennung von Schienennetz und Bahnbetrieb konsequent durchgesetzt werden.“

Bilder: Deutsche Bahn AG

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