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Kommt der Rückschritt beim Harz-Express?

27.06.10 (Allgemein) Autor:Sven Steinke

Der Harz-Express ist aktuell eine zweistündliche RE-Verbindung zwischen Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover und der Saalestadt Halle. Neben den großen Städten Hildesheim, Goslar, Bad Harzburg, Wernigerode, Halberstadt und Aschersleben erschließt er auch den touristisch beliebten Harz. Bis zum Juni 2000 bestand diese Linie nur zwischen Goslar und Halle (Saale). In Goslar musste man in den RE Bad Harzburg – Hannover umsteigen. Nach der Umstellung des RE auf Neigetechnik Triebzüge wurde dieser über Bad Harzburg nach Hannover geführt. Der RE Bad Harzburg – Hannover konnte somit auf einen Zweistundentakt ausgedünnt werden.

Nach den Ausführungen des Zielkonzepts 2013, welches die LNVG veröffentlicht hat, könnte der vorherige Zustand mit der Ausschreibung des Harz-Weser-Netzes 2014 wieder eingeführt werden. So wird ein stündlicher Regional-Express zwischen Bad Harzburg und Hannover mit gleichen Taktzeiten  gefordert. Das heißt der RE aus Halle würde auf direkten Weg von Vienenburg nach Goslar fahren, was zwar positiv ist, allerdings müssten die Fahrgäste dann in Goslar umsteigen. Damit beschreitet die LNVG und der ZGB jetzt auch das gleiche Ziel wie andere Besteller. Nämlich die Abkehr von der einst hoch gelobten Neigetechnik. Stattdessen möchte man die Fahrgäste mit modernen niederflurigen Dieseltriebwagen befördern. Die Verantwortung über den verbliebenen Harz-Express schiebt man somit an die NASA ab.

Stattdessen käme noch ein anderes Konzept in Betracht, welches gleichzeitig Bad Harzburg und Hannover stündlich miteinander verbindet und eine schnelle und umsteigefreie Verbindung nach Hannover aus dem östlichen Harz bietet. Durch den dann beschleunigten Harz-Express ergeben sich auch neue Möglichkeiten bei der Schaffung von ITF-Knoten. Dieses Konzept sieht vor, den Harz-Express alle zwei Stunden mit dem RE Bad Harzburg – Hannover in Goslar zu flügeln. Der Harz-Express kann dadurch zwischen Vienenburg und Goslar den direkten Weg nehmen und wird dadurch beschleunigt. Gleichzeitig behält Bad Harzburg die stündliche RE-Verbindung in die Landeshauptstadt. So würden alle Interessen berücksichtigt und es ergibt sich noch der Vorteil, dass in Hildesheim und Hannover die ITF-Knoten erreicht werden. Durch eine Abfahrt um fünf nach in Hannover besteht eine kurze Anschlussverbindung aus vielen Richtungen. Gleichzeitig werden in Hildesheim um halb kurze Anschlüsse aus Süddeutschland, Bodenburg, Löhne, Hameln und der S-Bahn aus Hannover erreicht. Das ganze natürlich bei der Fahrt Richtung Hannover auch anderherum und zusätzlich wird noch ein Zugumlauf eingespart. Ab Vienenburg erreicht der Harz-Express wieder seine gegenwärtige Fahrplantrasse mit den Vollknoten in Halberstadt und Halle (Saale). Die Fahrzeit zwischen den beiden Vollknoten Hannover und Halle (Saale) liegt somit bei unter drei Stunden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Linien auf den jeweiligen Abschnitten den benötigten Kapazität angepasst werden. Auf dem Abschnitt Hildesheim – Hannover stellt der Harz-Express die schnellste Verbindung dar und ist dementsprechend öfters überfüllt, wohingegen die Züge auf dem östlichen Abschnitt nur schwach ausgelastet sind. Durch die direkte Führung zwischen Goslar und Vienenburg kann die zukünftige Regional-Stadtbahn aus Braunschweig auch stündlich nach Bad Harzburg fahren, somit kann die alternierende zweistündliche Bedienung südlich von Vienenburg entfallen.

Nur die niedersächsischen Aufgabenträger wollen sich nicht weiter auf die Neigetechnik verlassen, dabei gibt es auch in Deutschland Triebzüge die seit Jahren zuverlässig bogenschnell im Einsatz sind. Allerdings muss ein neuer Zug entwickelt werden, um auf diesen Linien nach einer Ausschreibung dieses Konzept umzusetzen, da sich die Fahrzeuge der Baureihe VT 612 als zu unzuverlässig erwiesen haben, was ihre Neigetechnik angeht. Nur kein Besteller wagt sich eine Linie mit Neigetechnik auszuschreiben. Somit besteht bei der Industrie auch kein Bedarf zur Entwicklung solcher Fahrzeuge. Dabei gibt es auch andere Systeme, die zwar nicht die Fahrzeitgewinne, wie die Neigetechnik erzielen aber für dieses Fahrplankonzept ausreichend wären. So hat die Schweizer Bundesbahn vor kurzem Doppelstocktriebzüge mit der sog. Wankkompensation bestellt. Dieses System neigt den Wagenkasten nicht wie die Neigetechnik zur Kurveninnenseite, sondern verhindert einfach nur ein Neigen zur Kurvenaußenseite. Dieses System bietet die Vorteile, dass es laut Hersteller wesentlich zuverlässiger als die Neigetechnik ist und bei Fahrgästen mit Seekrankheit nicht zur Übelkeit führt.

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