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Kommentar: Bonn braucht die S-Bahn!

22.05.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Es ist schon ein wenig fragwürdig: Da wird der Köln-Bonner Flughafen ans Eisenbahnnetz angeschlossen, finanziert aus dem Etat des Bonn-Berlin-Gesetzes, und der Nutzen für die Bundesstadt ist kaum vorhanden. Einmal in der Stunde fährt der RE 8 vom Bahnhof Bonn-Beuel zum Flughafen, das wars. Bonn hat über 300.000 Einwohner und ist Teil einer der größten Metropolregionen der Welt. Gemessen daran ist der Anschluß an den SPNV sehr schlecht. Zu schlecht.

Die S13 auf der rechten Rheinseite ist eine richtige und notwendige Maßnahme, kann aber nur der Anfang sein. Aber schon die Realisierung dieses Projektes zeigt, wie schwierig es der Verkehrsträger Schiene in Deutschland hat: Während es zwar Investitionen in die Infrastruktur gibt, fehlt vor allem das Geld für laufenden Betrieb. Denn mit dem dritten und vierten Gleis zwischen Troisdorf und Bonn-Oberkassel ist es nicht getan. Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland, das ist der Dachverband von VRS und AVV, muß jeden zusätzlichen Zugkilometer aus seinem bereits festgeschriebenen Budget bezahlen.

Das bedeutet entweder an anderer Stelle zu kürzen oder drauf zu hoffen, daß man durch Ausschreibungen bestehender Linien Geld sparen kann. Und mit Ausschreibungen sieht es in den nächsten Jahren wegen der unklaren Situation im benachbarten VRR sehr schlecht aus. Nur das bereits einmal ausgeschriebene Kölner Dieselnetz geht in den nächsten Jahren erneut in die Vergabe. Große Linien wie RE1, RE4, RE5, RE7, RE8 oder auch RB48 müssen bis auf weiteres per Direktvergabe betrieben werden, wenn die Linien nicht gebrochen werden sollen.

Die Betriebsaufnahme der verlängerten S13 soll im Dezember 2016 erfolgen. Die Regionalisierungsgelder sind aktuell nur bis 2013 festgeschrieben, danach wird es darüber eine neue Verhandlungsrunde zwischen Bund und Ländern geben. Bereits 2007 wurden sie im Rahmen der Koch-Steinbrück-Liste gesenkt, andere Länder haben einen Teil ausgeglichen, die Mehreinnahmen aus der Mehrwertsteuererhöhung wurden dazu teilweise aufgebracht. In Nordrhein-Westfalen war das nicht der Fall.

Langfristige Projekte scheitern kurzfristig an geänderten politischen Mehrheiten. Als der damalige Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) 2005 ins Amt kam, wurden alle Zielvereinbarungen mit sofortiger Wirkung gekippt und einer Neubewertung unterzogen. Die Verlängerung der S13 ist das einzige indisponibele Projekt überhaupt. Im Moment ist unklar, wer das Land zukünftig regieren wird. Verläßliche Zusagen sind unwahrscheinlich, und wenn man Pech hat, sagt der nächste Minister sie wieder ab.

Und trotzdem: Bonn braucht diese Anbindung. Auf der rechten Seite, aber langfristig auch auf der linken Seite des Rheins. Die Verkehrsleistungen in der Metropolregion an Rhein und Ruhr sind heute schon viel zu gering. Hier wird man auf Dauer nicht um einen wesentlich größeren Etat bei NVR und VRR herumkommen. Ansonsten wird sich der Verkehrsinfarkt stark verschlimmern.

Bilder: Deutsche Bahn AG

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