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Ist der Arriva-Kauf unseriös kalkuliert?

14.05.10 (Europa) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Financial Times Deutschland berichtet in ihrer Ausgabe vom 14. Mai 2010, dass der Business-Plan der DB bei der Arriva-Übernahme unsolide sei. So gehe man davon aus, daß der operative Gewinn in den Jahren 2010 bis 2014 um 59% steigen werde. Zwischen 2005 und 2009 gab es einen Anstieg von rund 30%.

Zwar wurde eine Due Dilligence-Prüfung vorgenommen, allerdings nur in einem sehr eingeschränkten Rahmen. Interne Unterlagen bekamen die Prüfer nicht zu sehen. Begründet wird das damit, dass Arriva dem britischen Handelsrecht unterstehe, das bei börsennotierten Unternehmen eine Gleichbehandlung sämtlicher Kaufinteressenten vorsehe. Man müsse sich daher, so die FTD, auf mündliche Aussagen des Managements verlassen. In diesem Zusammenhang muss man aber wissen, dass das Management selbst Arriva-Anteile besitzt. So soll Konzernchef David Martin an dem Deal rund 4,7 Millionen Pfund Sterling verdienen, das sind etwa 5,5 Millionen Euro.

Die Übernahme von Arriva ist der größte Zukauf in der Geschichte der Deutschen Bahn AG. Er wird auch deshalb gemacht, weil die französische Staatsbahn SNCF ebenfalls Interesse hatte. Diese ist bereits heute zu 56,7% an Keolis beteiligt, das in Deutschland unter dem Namen Eurobahn aktiv ist. Keolis hatte letzten Winter Fusionspläne mit Arriva sondieren lassen. Der Kauf wird die Deutsche Bahn AG insgesamt über 2,7 Milliarden Euro kosten. Darin sind die Schulden des Unternehmens bereits enthalten.

Bild: Benedikt Dohmen. Lizenz: CC-by-SA 3.0

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