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Ein Jahr Verspätung für Stuttgart 21 ?

26.05.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Wie die Stuttgarter Zeitung in ihrer Ausgabe vom 26. Mai berichtet, droht dem umstrittenen Großprojekt Stuttgart 21 schon jetzt eine Verzögerung von einem Jahr oder länger. Der Baubeginn soll sich bis Sommer 2013 hinziehen, dann wäre es schwierig, die Fertigstellung 2019 zu realisieren. Projektsprecher Wolfgang Drexler sagt, die „sehr komplexen“ Arbeiten im Gleisvorfeld unter rollendem Rad seien im Plan und zu zehn Prozent bereits abgewickelt worden.

Insbesondere im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik solle die Bahn mit der Planung nicht schnell genug vorankommen. Dabei bezieht sich die Zeitung auf ihr vorliegende interne Unterlagen.

Während der Bauphase gibt es 18 „signaltechnische Bauzustände“. Sobald eine Weiche oder ein Signal verändert wird, muß diese veränderte Gleislage an das vorhandene Spurplan-Drucktastenstellwerk angeschlossen werden. Damit ist auch jedesmal eine neue Genehmigung durch das Eisenbahnbundesamt verbunden.

Der erste „signaltechnische Bauzustand“ verzögerte sich um 166 Tage (rund sieben Monate). Diese Zeit wurde in der zweiten Phase wieder aufgeholt. Für einen namentlich nicht genannten Insider stelle sich daher auch die Frage nach der Qualität der Bauarbeiten. Das Pensum bis zum Schluß durchzuhalten wird dabei als unmöglich angesehen, es sei lediglich noch offen, ob die Bahn oder die damit beauftragte Firma Thales zuerst „die weiße Flagge hißt“.

Das französische Unternehmen ist damit beauftragt, konkrete Ausführungen auf Basis der Pläne der Bahn durchzuführen. Wie die Stuttgarter Zeitung weiterhin schreibt, kommt DB Netze mit der Erstellung der Pläne allerdings nicht nach, weshalb teilweise ungeprüfte Pläne an Ausführungsplaner gegeben werden. Am Ende sei die Verspätung so groß, daß eine Verzögerung um mehr als ein Jahr durchaus im Bereich des möglichen liege.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen sieht der baden-württembergische VCD-Chef Matthias Lieb den „idealen Zeitpunkt, um aus diesem Wahnsinnsprojekt auszusteigen.“ „“Die Bahn verlangt von ihren Auftragnehmern die Übernahme fast aller Risiken.“ „Bauunternehmen können sich eine Risikoübernahme bei mangelhaften Planungen aber nur mit einem entsprechenden Schmerzensgeld leisten. Stuttgart 21 wird also zwangsläufig teurer als bisher zugegeben.“

Alternative Pläne des Verkehrsclub Deutschland sehen das Konzept „Kopfbahnhof 21“ vor. Hierbei soll der Stuttgarter Hauptbahnhof nicht unter die Erde verlegt und in einen Durchgangsbahnhof umgewandelt werden, sondern in seiner Struktur erhalten bleiben. Mit einer Modernisierung wäre dennoch eine immense Leistungssteigerung verknüpft.

Ursprünglich sollte sich das Projekt aus den Erlösen von Grundstücksverkäufen selbst finanzieren. Ähnliche Pläne gab es in den 90er Jahren auch für die Kopfbahnhöfe von München und Frankfurt am Main. Die allerdings wurden aufs Abstellgleis geschoben, als die selbsttragende Finanzierung geplatzt ist.

Bild oben links: Deutsche Bahn AG
Bild mitte rechts: Klaus Jähne. Lizenz: CC-by-SA 2.5

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